Aktuelle Lage in Peru

Das Corona Virus hat die Welt fest in seinem Griff und während es in Teilen der Welt, wie zum Beispiel in China, wieder rückläufig oder angeblich vorbei ist, ist das Ausmaß der Krise und die Ausbreitung des Virus erst am Anfang, wie zum Beispiel in Europa oder ganz Lateinamerika. Das Corona Virus ist auch in Peru angekommen, hat aber bisher noch lange nicht die Ausmaße angenommen, wie das in Europa der Fall ist. Wir bewegen uns gerade, was die Zahlen der Ausbreitung angeht, noch in den hunderter Bereichen (Stand 25.03.2020: ca. 416 Infizierte). Doch aber wird hier die Krise um einiger ernster genommen, da einerseits die Menschen viel mehr Angst haben, was besonders an fehlender Bildung und noch mehr an den kursierenden Fake-News liegt, aber auch am, milde gesagt, mäßigem Gesundheitssystem. Und so wurden sehr schnell sehr drastische Maßnahmen ergriffen. Während die erste Arbeitswoche Anfang März (Unterrichtsvorbereitung, Lehrplanüberarbeitung etc.) noch normal stattfand, war die darauf folgende Woche (erste Woche für die Schüler) schon von Schlagzeilen über das Coronavirus geprägt. Nachdem es gerade einmal ca. fünf Fälle gab, wurden auf Anweisung des Präsidenten alle Schulen, Universitäten und Akademien direkt bis Ende März geschlossen. Dies half aber nur bedingt die Ausbreitung des Virus zu stoppen und so verhängte der Präsident ab dem 16. März für 14 Tage eine Quarantäne für das ganze Volk. Niemand darf das Haus verlassen, außer um zur Apotheke, ins Krankenhaus oder auf den markt zu gehen. Doch wie hält man über 30 Millionen Menschen Zuhause? Mit dem Militär. Sie patrouillieren auf jeder größeren Straße und so kommt es, dass bei mir um die Ecke mal schnell zehn voll bewaffnete Soldaten stehen und jedes Auto anhalten und es fragen wo es hin möchte. Die Straßen sind leergefegt und kein Geschäft darf geöffnet sein, außer natürlich der Supermarkt. Das Leben in der sonst nie schlafenden Hauptstadt steht still, komplett still!

Bei meiner Gastfamilie Zuhause ist alles ruhig, wir versuchen besonnen zu blieben, uns zu beschäftigen und die Zeit abzusitzen. Der Fernseher läuft quasi 24/7, aber das macht er auch sonst meistens. Doch nicht überall ist es so ruhig wie bei uns und auch nicht alle Menschen bleiben so besonnen wie meine Gastfamilie. Besonders zu Beginn der Quarantäne waren Hamsterkäufe fast schon üblich, manche kauften sogar zehn Säcke mit je 20kg Reis (verrückt). Dies führte bei einigen Produkten zu einer Verdreifachung oder Vervierfachung des Preises, welcher sich mittlerweile aber wieder eingependelt hat.

Ein Grund für die Hamsterkäufe sind mit Sicherheit angstmachende, panikmachende und schockierende Fake-News, die auch hier zu häufen verbreitet werden. Dies sind nicht etwa nur Sprachnachrichten, dass Ibuprofen für den Heilungsprozess hinderlich sein soll, nein, es wird auch berichtet, dass das Virus auf der Straße herum liegt, sich an die Schuhe hängt und somit in die Wohnung getragen wird. Diese Falschmeldungen sowie etliche weitere werden nur zu gerne über das Medium WhatsApp als Sprachnachrichten, Bilder oder Kettenbriefen versendet. Fatal hierbei, das, meiner Meinung nach, oftmals fehlende oder zu wenig anwandte kritische Hinterfragen und recherchieren. Wenn laut genug geschrienen oder die Meldung extraordinär ist, wird ihr Glauben geschenkt und sie verbreitet, ohne auf ihren Ursprung zu schauen. So wird natürlich noch mehr Panik, Sorge und Angst verbreitet. Im digitalen Zeitalter natürlich umso fataler. Diese Aussagen möchte ich aber nicht auf alle Peruaner beziehen, da es auch viele gibt, die ihre Informationen aus seriösen Quellen beziehen. Diese Menschen fallen aber meist nicht so auf, da sie nicht die ausgefallensten und beängstigenden Nachrichten verbreiten. Zu diesen Menschen würde ich zum Beispiel meine Gasteltern, die Priester der Schule und manche Lehrer zählen.

So nun aber zu meiner Lage: Manche von euch haben es möglicherweise schon mitbekommen. Das Auswärtige Amt der Bundesregierung hat aufgrund der sich ausbreitenden Pandemie entschieden alle Deutschen im Ausland uns somit auch alle weltwärts-Freiwilligen nach Hause zu holen. Alle meine Freunde die in Kolumbien, Ghana, Mexiko oder Chile waren sind mittlerweile schon Zuhause in Deutschland. Bei mir selbst ist dies noch nicht der Fall, da Peru wie oben beschrieben eine Quarantäne verhängt hat und zusätzlich dazu noch alle Grenzen und alle Flughäfen geschlossen hat. Das Land hat sich also komplett abgeschottet und selbstisoliert. Kommerzielle Flüge sind nicht mehr erlaubt, weshalb wir Deutschen in Peru nicht eigenständig ausreisen können. Auf Grund dieser Umstände verhandeln beide Länder darüber wie die Rückholaktion aussehen soll. Dies geschieht auf ziemlich hoher Ebene. Der Staatsminister des Auswärtigen Amtes Niels Annen spricht hierfür mit dem peruanischen Vize-Außenminister Jaime Pomareda. Ich soll also irgendwann die nächsten Wochen von der deutschen Bundesregierung wieder nach Hause geflogen werden.

Einerseits verständlich aufgrund der gesundheitlichen aber auch sicherheitspolitischen Lage, andererseits aber auch schade, da ich mich bisher gut integriert hatte, die Zeit hier genossen habe und mich auf weitere fünf Monate voller neuer Aufgaben und Erlebnissen gefreut hatte. So geht wohl mein Freiwilligendienst vorerst zu Ende, ich werde euch aber bis zu meiner wirklichen Heimkehr auf dem Laufenden halten.

https://www.zusammengegencorona.de/

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

https://www.jhu.edu/

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